Topplaziert bei der Weltcup-Premiere in Asien
Elina Benoit und Paul Schehl glänzen beim ersten Kräftemessen der Mountainbike-Weltelite in Südkorea mit den Rängen zwei (Cross-Country) und drei (Short Track) in der Klasse U23
“Hier ist alles ganz anders als in Europa und es ist spannend, Neues zu entdecken”, sagt Elina Benoit, “es ist cool und lustig, jeden Tag mit dem Team koreanisches Essen zu probieren”. Paul Schehl findet das Essen auch “ganz geil, aber nicht auf Dauer”. Die Menschen seien sehr freundlich und sportbegeistert, “es ist echt schön hier.” Zum ersten Mal in der Geschichte des Mountainbikesports geht es in Asien um Weltcup-Siege und -punkte, das Skiresort Mona Yangpyong in Südkorea liefert den Rahmen dafür. Elina Benoit (Foto oben links) und Paul Schehl vom Lexware Mountainbike Team sind bei der Premiere in Asien hervorragend in die Weltcupsaison gestartet: Im Cross-Country-Rennen (XCO) erkämpften sich beide bei schwierigen, matschigen Bedingungen den zweiten Platz in der Klasse U23, den Short Track (XCC) hatten beide bei trockenen Verhältnissen zuvor auf Rang drei beendet.
Short Track
“Ich habe Bock auf mehr”Es gibt Sportarten, da kommt es nur auf den Menschen an: Schwimmen beispielsweise oder Ringen. Durch den Faktor Material und den ruppigen Untergrund erhöht sich beim Mountainbikesport das Fehlerquellen-Risiko um ein Vielfaches. Paul Schehl hat in seiner noch jungen Karriere zwei annähernd perfekte Rennen schon erlebt: Als er 2022 Junioren-Weltmeister wurde. Einerseits. Andererseits als er im vergangenen Jahr das Cross-Country-Weltcuprennen der Klasse U23 in Nove Mesto gewann. Der erste Weltcup-Wettkampf in dieser Saison, der Short Track in Südkorea, war nach Pauls eigener Aussage “ein richtig gutes Rennen”: Er wurde Dritter in der Klasse U23. Ein perfektes Rennen war es allerdings nicht. “In Runde zwei hat mir jemand die Schuhschnalle abgefahren”, erzählt Paul, er konnte das Problem während der Fahrt selbst beheben, “allerdings hat es eine Runde lang gedauert”, sagt er. Mitte des Rennens war auf einmal der Sattel locker und verrutschte: “Ich konnte nicht mehr gscheit sitzen, das hat mich viel Energie gekostet”, erzählt der 21-Jährige vom Lexware Team. Doch alles in allem “ist der dritte Platz ein geiler Einstieg” in die Weltcupsaison, “super Sache, ich habe Bock auf mehr”, sagt er.
“Die letzten Runden waren perfekt”“Ich wusste, dass ich auf das Podium kommen kann, aber mein Rennen ist nicht perfekt gelaufen”, sagt Elina Benoit, nachdem sie im Short Track der U23-Frauen Dritte geworden war. Nach einem “sehr guten Start” habe sie auf dem Hochgeschwindigkeits-Kurs in Mona Yangpyong am Anstieg das Tempo nicht halten können, “deshalb war ich am höchsten Punkt etwas weiter hinten”. An der Spitze wurde mächtig aufs Gaspedal gedrückt, “meine Beine waren anfangs nicht so gut, ich hatte Mühe”. Allerdings zeigte sich, dass sich etliche in der Spitzengruppe übernommen hatten und langsamer wurden, je länger das Rennen dauerte. “Plötzlich fühlten sich meine Beine besser an, ich kam gut nach vorne, die letzten Runden waren perfekt”, sagt Elina, die als Dritte 20 Sekunden hinter der Siegerin das Ziel erreichte.
“Ich bin super excited für das XCO”Ohne Erwartungen war Mikkel Lose, der seine erste Saison für Lexware bestreitet, in das U23-Short-Race der Männer gestartet und erklärt warum: “Beim ersten Weltcup weißt Du nie, wie gut die anderen sind und wie gut du selbst bist.” Beim Warmfahren hatte der 20-jährige dänische Meister “kein so gutes Gefühl”. Es habe sich angefühlt, als fehle ein bisschen die Power, “vielleicht war es aber auch nur ein Gefühl”. Anschließend im Rennen hatte er ebenfalls zu kämpfen, konnte jedoch seine Position stetig verbessern. Als in der letzten Runde zur Attacke geblasen wurde, “fühlte ich mich leer”. Er sei dennoch happy mit Rang elf und steht in der zweiten Startreihe beim XCO-Rennen.
Für US-Boy Nicholas Konecny, der seine Vorbereitungrennen auf die Weltcupsaison in Lateinamerika und den USA absolviert hatte, war es in Südkorea der erste Vergleich mit der U23-Elite aus Europa. Entsprechend zurückhaltend war auch seine Herangehensweise, allerdings liegen dem 19-Jährigen aus Colorado kurze, schnelle Belastungen. Nach einem passablen Start konnte er sich gut behaupten in dem Feld der Weltbesten und die “strong pace” mitgehen. Platz 17 für ihn im Short Track und damit dritte Startreihe zwei Tage später: “Ich bin happy damit und super excited für das XCO.”
“Es hat mir den Stecker gezogen”“Es lief, wie so oft, nicht nach Plan”, sagt Khalid Sidahmed, vierter Lexware-Starter im U23-Weltcup. Der Schweizer hatte in der Nacht vor dem Wettkampf Magenprobleme, “mir war sehr schlecht”. Am Morgen ging es ihm zwar etwas besser, an Nahrungsaufnahme war beim Frühstück jedoch nicht zu denken und beim Warm-up habe er sich ebenfalls “nicht gut gefühlt”. Nach dem Start rutschte er schnell ans Ende des Feldes, “die hohe Intensität habe ich nicht verkraftet”, erzählt der 20-jährige Schweizer. Mitte des Rennens konnte er dann aufdrehen und seine Position verbessern. “In den letzten drei Runden hat es mir dann komplett den Stecker gezogen. Ich hatte keine Energie mehr, mit meinem Körper war etwas nicht in Ordnung”. Dass bei all den Problemen der 25. Platz im 40er-Feld herauskam, habe ihn überrascht.
Cross-Country
“Die Bedingungen waren richtig hässlich”Beim Short Track zwei Tage zuvor waren die Bedingungen trocken gewesen, das änderte sich vor dem XCO-Rennen jedoch drastisch: “Am Abend vor dem Wettkampf hat es angefangen zu regnen, vor den Cross-Country-Rennen waren die Bedingungen richtig hässlich”, findet Paul Schehl (Foto oben). Der Kurs war matschig und aufgeweicht, durch die vielen Laufräder, die drüber rollten, wurde der Untergrund püriert. “Die Bedingungen wurden im Verlauf des Rennens immer schwieriger, hinten raus musste man zwei Anstiege komplett hochrennen”, sagt Paul zum U23-Männerrennen. “Das war schon ein richtiges Brett, das war richtig anstrengend”. Der 21-Jährige kam mit den Herausforderungen dennoch gut zurecht, fand sein Tempo und sicherte sich den zweiten Platz. “Das war eine geile Woche mit dem Team hier in Südkorea, toller Teamspirit”, erzählt Paul, “ich bin mega-happy und freue mich auf alles, was da jetzt noch kommt”.
“Der Kampf fand im Kopf statt”Für das U23-Rennen der Frauen hatte man den Kurs aufgrund der schwierigen Verhältnisse etwas verändert. “Ich bin das ganze Rennen allein gefahren”, erzählt Elina Benoit, “der Kampf fand in meinem Kopf statt: immer konstant schnell und sauber zu fahren”. Aus dem Kampf mit sich selbst und den diffizilen Bedingungen resultierten riesige Abstände. Auch an der Spitze. Elina lag als Zweite 3,28 Minuten hinter der Siegerin aus Italien zurück, hatte andererseits aber auch 2,40 Minuten Vorsprung auf die Dritte. “Es war mehr Cyclocross als Mountainbiken”, sagt die Schweizerin, “mir hat es trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Mit den Rängen zwei und drei war es ein Top-Wochenende für mich und das Team, das großartig gearbeitet hat.”
“Kein Race-Feeling”Angesprochen auf die Bedingungen im U23-Rennen der Männer, muss Khalid Sidahmed erst einmal schmunzeln. “Ja, sehr schwierig”, sagt der 20-jährige Schweizer, es ist seine erste Saison für das Lexware Team. “Man musste sehr viel laufen, ich war ganz gut zu Fuß und bin irgendwie 15. geworden.” Zwei Tage zuvor im Short Track hatten ihn Magenprobleme geplagt, beschwerdefrei war er noch immer nicht: “Entsprechend langsam bin ich das Rennen angegangen”. Anschließend habe er jedoch etliche Konkurrenten überholt. Den Umständen entsprechend sei er mit seiner Leistung und Rang 15 zufrieden, “ein Race-Feeling wollte bei den Bedingungen aber nicht wirklich aufkommen”.
“Was für ein crazy Rennen” “Die Anstiege waren brutal, die halbe Runde war Rennerei”, sagt Nicholas Konecny. Seine Performane im Cross-Country-Rennen der U23 sei weder gut noch schlecht, es sei einfach ein “Learning-Race” gewesen, das der junge Amerikaner auf Platz 17 Platz beendet hatte. “Vom Start bis ins Ziel war es ein crazy Rennen”, findet Nicholas, “jeder kämpfte mit sich selbst”. Auch für den dänischen U23-Meister Mikkel Lose war es ein Kampf: Nach einem passablen Start habe er nach dem ersten langen Anstieg “keine Verbindung” mehr zu seinem Körper gespürt. Er fühlte sich schlecht und konnte sich “auf nichts mehr fokussieren”, fatal in einem Cross-Country-Rennen mit derart rutschigen Untergrund. Er erkannte, wie gefährlich die Situation für ihn war und gab auf. “Ich habe dieses Rennen schon vergessen und schaue voraus zum nächsten.”
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