Das Lexware Team glänzt mit zwei Siegen und vier Top-Ten-Plätzen beim Weltcup in Italien
Paul Schehl dominiert in La Thuile erneut beide Rennen der Klasse U23 / Elina Benoit wird Fünfte und Sechste
Vor einigen Jahren war Paul Schehl schon einmal in La Thuile (Italien). “Ich war mit meinem Dad und meiner Schwester hier, wir haben damals im Zelt übernachtet”, erzählt er. Er nahm am international besetzten Juniorenrennen teil und hätte es fast gewonnen. Als Erinnerung mitgenommen hat er die Erkenntnis, dass die MTB-Strecken in dem kleinen Seitental des Valle d’Aosta “superhart und technisch sind”. Es sind ein paar Jahre vergangen, Paul wurde zwischenzeitlich Junioren-Weltmeister und ist in seinem letzten U23-Jahr derzeit der beste Cross-Country-Mountainbiker im Weltcup. In La Thuile am Wochenende hat der 22-Jährige vom Lexware Mountainbike Team (Foto oben) seine Weltcupsiege Nummer sechs und sieben in dieser Saison eingefahren, wie schon zweimal zuvor hat er sowohl den Short Track als auch das Cross-Country-Rennen gewonnen. Solo wohlgemerkt, keiner konnte an seinem Hinterrad bleiben. Die Lexware Teambilanz vom Wochenende ist beeindruckend: zwei Siege und vier Top-Ten-Plätze in der international höchsten Rennserie. Erkämpft auf Strecken, “die international zu den anspruchsvollsten zählen”, wie Teammanager Daniel Berhe versichert.
| Short Track U23: “Der Anstieg war extrem”Was für eine Short-Track-Strecke! Gleich nach dem Start türmt sich eine Steigung mit mehr als 20 Prozent auf, auch anschließend wird den weltbesten Mountainbikerinnen und Mountainbikern einiges abverlangt. Paul Schehl (Foto oben/ganz rechts) zeigte sich im Short-Track-Rennen (XCC) der Klasse U23 von den Schwierigkeiten unbeeindruckt: “Ich habe das Rennen schön von vorne kontrolliert”, erzählt der 22-Jährige vom Lexware Team, “zwischendrin habe ich das Tempo variiert, um zu schauen, wer schnell fahren kann”. Das war an diesem Tag nur einer: sein Dauerrivale Thibaut Francois Baudry (Spanien). Mit “drei Laps to go” attackierte Paul das erste Mal, alle außer dem Spanier kamen auf dem Knallhart-Kurs nicht mehr mit. In der letzten von elf Runden schraubte Paul noch einmal die Umdrehungen hoch und wurde auch den letzten Widersacher Francois Baudry los. “Vierter Sieg in Folge, mega-geil, war ein richtig cooles Ding, bin glücklich”, fasst Paul das Erlebte zusammen. “Der Anstieg gleich nach dem Start war extrem steil”, sagt Lexware-Teamkollege Khalid Sidahmed, “mir fehlte wieder einmal etwas der Punch”. Der Schweizer musste deshalb im ersten Drittel des Rennens viel investieren, um in der Nähe der Besten zu bleiben. “Hintenraus habe ich dafür gebüßt”, gesteht er. Von Position 13 fiel er auf 17 im 40erFeld zurück: “Schade, dass ich nicht 16. geworden bin, das wäre die zweite Startreihe im Cross-Country-Rennen gewesen”. Mit seiner Leistung sei er dennoch zufrieden, “die Strecke war cool und das Feeling okay”, es habe viel Spaß gemacht. “War ‘ne gute Vorbelastung für Sonntag.” “Ich fühle mich top” Für Elina Benoit, die Schweizerin im Lexware-Trikot, war es der erste Short-Track-Weltcup nach ihrem Sturz in Nove Mesto (Tschechien). Nach dem Start des U23-Rennens der Frauen wurde sie in der ersten Kurve “außen blockiert”, anschließend fand sie sich “weit hinten” im Feld wieder. “Ich wusste, dass die Strecke sehr anstrengend ist und die Fahrzeit für einen Short Track lang sein wird”, sagt Elina, “deshalb bin ich anfangs nicht zu schnell gefahren”. Die Taktik machte sich bezahlt: Jede Runde schnappt sie sich ein, zwei Konkurrentinnen, “das hat gut geklappt”. Von Rang 22 verbesserte sie ich in die Top Ten und final sprang der sechste Platz heraus. “Bin sehr zufrieden damit. Ich fühle mich top”, sagt Elina, “ich muss nur ein bisschen Glück haben am Sonntag, dann wird alles gut”. Cross-Country U23-Männer: “Ich bin einfach meine Pace und immer dieselben Linien gefahren” “Anderthalb Minuten ist schon richtig geil”, findet Paul Schehl. Und dieser Vorsprung erscheint noch erstaunlicher, wenn man weiß, dass er die letzte Runde – im Wissen um seinen großen Vorsprung und den Sieg – nicht mehr mit der letzten Entschlossenheit und Risikobereitschaft absolviert hat. Die letzte Runde war seine langsamste, rund eine halbe Minute langsamer als die davor im Schnitt. Er habe sich “mega gefreut” auf dieses Cross-Country-Rennen, auf diese selektive und fordernde Strecke, gleichwohl spürte er unter der Woche und auch am Abend vor dem XCO-Rennen etwas Unsicherheit. Ganz sicher kann man sich im Mountainbikesport ja nie sein: Mensch, Material und Strecke bieten eine Vielzahl an Fallgruben. Doch nach zwei Runden hatte Paul die Gewissheit, dass ihm an diesem Tag keiner der 78 Starter folgen kann. Es war die angestrebte Harmonie von Mensch, Material und Strecke, die aus Pauls Mund ziemlich einfach klingt: “Ich bin meine Pace und immer dieselben Linien gefahren. Ich habe kontrolliert meine Runden abgeschraubt.” “Mega glücklich” sei er nach diesem erneuten Weltcup-Erfolg – und die Schmach von damals, das Juniorenrennen nicht gewonnen zu haben, hat er nun gleich doppelt getilgt. Von hinten nach vorne: “Der Körper hat sich sehr gut angefühlt” Im Kampf um die Plätze kreuzten sich die Wege von Nicholas Konecny und Khalid Sidahmed mehrmals. Beide Lexware-Teamkollegen von Paul, der eine Amerikaner, der andere Schweizer. Ihre Rennenverläufe ähnelten sich: Sie lagen anfangs um Platz 30 herum und entwickelten anschließend einen starken Drang nach vorne. “Ich wusste, dass der erste Anstieg für mich sehr hart wird, habe mich davon aber nicht stressen lassen”, sagt Khalid, “ich habe gewusst, dass meine Stärken nach der ersten Runde kommen.” Nicholas, der US-Boy aus Breckenridge in Colorado, startete weit hinten, trat aber mächtig in die Pedale. “Ich habe mich großartig gefühlt, körperlich wie mental”, sagt der 20-Jährige, “ich habe einfach alles zusammengebracht”. In der vierten von sieben Runden enterte Nicholas die Top Ten, Khalid gelang das eine Runde später. “Ich habe mir das Rennen gut eingeteilt und keine technischen Fehler geamacht”, sagt der Sohn einer Schweizerin und eines Sudanesen, “es war sehr hart, aber der Körper hat sich sehr gut angefühlt”. Belohnt für seine Anstrengungen wurde er mit Rang sieben. Er glaube jedoch, “dass da noch mehr drin liegt, für die ganz großen Ziele, die da noch kommen”. 19 Sekunden vor ihm hatte Nicholas als Sechster das Ziel erreicht: “I had an amazing race. Ich werde besser und stärker”, frohlockt der Amerikaner, “der sechste Platz gibt mit viel Selbstvertrauen für den Weltcup in Andorra und die amerikanische Meisterschaft im Anschluss.” “Ich weiß, dass ich es in mir habe und mache weiter” Der große Pechvogel im Lexware Team an diesem Wochenende war Noel Toth. Die Matura hat der junge Schweizer kürzlich mit Erfolg hinter sich gelassen und jetzt, da er die schulischen Verpflichtungen abgestreift hat, schien ihm etwas Großartiges zu gelingen: Mit der Nummer 79 gestartet, tauchte er schon bald unter den besten 40 auf. “Ich fühlte mit gut, konnte pushen und war nie wirklich am Limit”, erzählt der 19-Jährige. Er überholte einen nach dem anderen, hatte auf Position 25 sogar schon die Top 20 im Visier. Anschließend im Rockgarden hatte er das Gefühl, die Felge habe durchgeschlagen. Weil er nichts Nachteiliges spürte, fuhr an der Tech-Zone vorbei, doch wenig später herrschte Gewissheit: Der Reifen verliert Luft, war alsbald platt. “Ich bin eine halbe Runde auf dem platten Reifen gefahren. Schade, ich habe mich super gefühlt”, sagt Noel. Statt Top 20, Rang 46. “Ich weiß, dass ich es in mir habe und mache weiter.” Cross-Country U23-Frauen: “Ich will mehr und werde alles dafür geben” Sie hatte es gespürt, dass ihr dieses Gelände in La Thuile mit den vielen steilen Anstiegen und technischen Passagen liegen würde. Nach dem sechsten Platz im Short Track ging Elina Benoit (Foto unten) das Cross-Country-Rennen der U23-Frauen offensiv an: Erkämpfte sich in der zweiten Runde den dritten Platz und verteidigte ihn bis Runde fünf. “Anfangs ist es super gelaufen, ich habe um das Podium mitgekämpft”, sagt die 21-jährige Schweizerin. Von der Mitte des Rennens an hatte sie nicht mehr die Kraft, ihr hohes Tempo durchzuziehen und musste zwei Konkurrentinnen vorbeiziehen lassen. “Ich bin dennoch zufrieden mit meiner Leistung und dem fünften Platz, vor allem nach diesen schwierigen Wochen”, sagt Elina. Beim Welcup in Nove Mesto am 24. Mai war sie in einen Sturz verwickelt worden und hatte sich drei Rippen gebrochen, Zwangspause unumgänglich. Elina gibt sich kämpferisch: “Ich will mehr und werde beim Weltcup in Andorra alles dafür geben.” Antonia Weeger hatte während des Wettkampfs mit Bauchkrämpfen und Übelkeit zu kämpfen und blieb weit hintern ihren Möglichkeiten zurück. Bei ihr griff die 80-Prozent-Regel, sie wurde aus dem Rennen genommen. |
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