Paul Schehl feiert zwei Weltcupsiege an einem Wochenende – mehr geht nicht
June 18, 2026 8:13 am
Der 22-Jährige vom Lexware Mountainbike Team dominiert den Short Track und das Cross-Country-Rennen der Klasse U23 in Leogang (Österreich)
| Details sind nicht mehr zu erkennen. Wie eine zweite Haut hat sich der Matsch auf Mensch und Maschine gelegt. Die große Geste überstrahlt jedoch alles: Paul Schehl (Foto oben/@staronphotos) nimmt kurz vor dem Ziel die Arme vom Lenker, spreizt sie vom Körper weg und schreit die Freude über seinen Weltcupsieg in die Mountainbike-Welt hinaus. Es ist sein zweiter Weltcuperfolg im Short Track (XCC) in dieser Saison, er führt in dieser Disziplin die Gesamtwertung der Weltbesten an. “Paul hat das Rennen dominiert, er ist taktisch sehr stark gefahren”, sagt Lexware-Teammanager Daniel Berhe. Das Gleiche lässt sich zwei Tage später auch vom Cross-Country-Wettkampf in Leogang (Österreich) berichten: Erneut dominiert der 22-Jährige die U23-Klasse und feiert Weltcupsieg Nummer vier: “Mega geiles Wochenende, habe mich richtig gut gefühlt.” |
Dominant – im Stil eines Champions Paul Schehl hat beide U23-Weltcuprennen in Leogang, Short Track und Cross-Country, im Stil eines Champions bestritten: offensiv und dominant. Im Short Race bestimmte er von Anfang an die Pace: “Ich konnte von vorne das Feld kontrollieren und schön mein Ding fahren.” Was Vorteile mit sich bringt auf einem Kurs, der für XCC-Verhältnisse anspruchsvoll ist und durch die nassen, rutschigen Bedingungen extrem schwierig zu meistern war. Einbremsen ließ sich Paul dadurch nicht: Er fuhr die schnellste Runde, hatte die besten Beine – auch als es darauf ankam. “In der letzten Runde habe ich attackiert, um einen Puffer zu haben und um Energie zu sparen. Das hat super funktioniert.” Im Ziel lag Paul sechs Sekunden vor dem Zweiten. Im Cross-Country-Rennen schaute sich der 22-Jährige vom Lexware Team das Treiben an der Spitze in der Start-Loop und ersten Runde an. Durch sein hohes Grundtempo habe sich in der zweiten Runde “fast schon versehentlich eine Lücke” zu den Konkurrenten aufgetan. Fortan war Paul an der Spitze solo unterwegs. Sein Vorsprung auf ein Verfolgerduo pendelte zwischen 39 und 13 Sekunden, mal war es weniger, dann wieder mehr. “Ich hatte dreimal mechanische Probleme. Sie sind dann immer wieder näher rangekommen, anschließend bin ich wieder etwas weggefahren”, erzählt er, “dadurch wurde das Rennen hintenraus richtig hart für mich”. Er sei, unterstützt und angefeuert vom Team, jedoch ruhig geblieben. Als der Vorsprung zu Beginn der fünften und letzten Runde wieder auf 36 Sekunden anwuchs, war klar, dass Paul das Ding nach Hause fährt. “Wahnsinnsrennen!” Short Track U23: “Ich habe mich ein bisschen komisch gefühlt. Vielleicht lag es am Höhentraining.” “Wie immer im Short Track: es war ziemlich hart für mich”, sagt Khalid Sidahmed nach dem Matschrennen von Leogang. “Mein Start war nicht mega gut”, erzählt der Schweizer, der seit dieser Saison für das Lexware Team startet, “ich habe dann entschieden, mein Tempo zu fahren und mich auf die zweite Hälfte des Rennens zu konzentrieren”. Ein guter Plan. Denn nach den anfänglichen Problemen mit dem hohen Tempo an der Spitze konnte der 21-Jährige mit zunehmender Renndauer seine Position im 40er-Feld stetig verbessern: von 28 auf 25 und schließlich auf 23. “Ich habe mich ein bisschen komisch gefühlt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich gerade aus dem Höhentraining komme”, erzählt Khalid, “ich habe damit noch nicht so viel Erfahrung”. Gleichwohl ist der 23. Platz sein bestes Short-Track-Resultat im Weltcup in dieser Saison, zuvor war er zweimal 25. geworden. Nicholas Konecny, der amerikanische Short-Track-Meister in der U23-Klasse, kämpfte in dem etwas mehr als 20 Minuten dauernden Short Race mit Rückenproblemen: “I struggled all race.” Er fiel, nachdem er anfangs unter den besten 15 zu finden war, zurück auf Position 22. Das Ziel erreichte er als 28. Eines konnte er erfolgreich verhindern: Dass die Rückenprobleme “vollkommen explodieren” und ihn zur Aufgabe zwingen. “Not a great day”, sagt der 20-jährige US-Boy, der seine zweite Saison für das Lexware Team absolviert. Cross-Country U23: “Ich bin dann hoffentlich frei, ein freier Mensch” “Die Strecke in Leogang ist extrem physisch, weil es viel berghoch geht”, sagt Khalid Sidahmed und aus dem Vorjahr wusste er, dass viele das Rennen hier sehr schnell angehen und hintenraus Probleme bekommen: “Ich bin von Anfang an mein Tempo gefahren, schon in der zweiten Runde konnte ich viele Positionen gutmachen.” Anfangs jenseits der 30 unterwegs, kämpfte er sich in die Top 20 und schrammte als Elfter am Ende nur knapp an einem Top-Ten-Ergebnis vorbei. “Ich habe mich nach dem Höhentraining noch etwas müde und nicht allzu spritzig gefühlt. Mit dem Ergebnis bin ich dennoch zufrieden. Es ist ein guter Schritt.” Beim Schweizer Noel Toth kommt das Training derzeit etwas zu kurz, weil er am Sportgymnasium in Bern-Neufeld gerade mitten in den Abschlussprüfungen steckt. “Deshalb war auch das Rennen nicht so der Hammer”, erzählt der 19-Jährige, “ich musste recht beißen”. Aber aufgeben ist nicht die Sache von Noel, er hat sich durchgekämpft und sich im Rennverlauf – wie stets – deutlich im Klassement verbessert: von Position 82 auf 44. “Es war ein Fight”, sagt er. Die letzten Prüfungen schreibt er nach dem Weltcup in Lenzerheide am kommenden Wochenende. “Dann bin ich hoffentlich frei, ein freier Mensch”, sagt er er schmunzelnd. Wie schon im Short Track hatte Nicholas Konecny auch im Cross-Country-Rennen mit heftigen Rückenproblemen zu kämpfen. “Vom Start weg”, sagt der 20-jährige Amerikaner. In der dritten Runde kam noch ein technisches Problem hinzu, anfangs kurzzeitig in den Top 20 fiel er anschließend auf den 47. Platz zurück. Sein Kommentar: “Ein Rennen zum Vergessen.” Da Elina Benoit noch mit den Folgen ihres Rippenbruchs zu tun hat, war Antonia Weeger die einzige Lexware-Starterin im Cross-Country-Rennen der U23-Frauen. Der Start sei ihr völlig misslungen, sagt sie, “ich glaube, ich war Letzte und hatte anschließend einen Durchhänger bis in die dritte Runde.” Sie rappelte sich aber wieder auf und erreichte als 40. das Ziel. “Ist nicht gut, aber auch nicht schlecht”, findet Antonia. |
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