Paul Schehl fährt erneut allen davonDer 22-Jährige vom Lexware Mountainbike Team gewinnt auch beim Weltcup in Lenzerheide beide Rennen der Klasse U23

June 22, 2026 9:49 am
Er kann es bei fiesen, seifig-nassen Bedingungen wie beim Weltcup in  Leogang (Österreich). Er kann es aber auch bei trocken-heißem Wetter und hohen Geschwindigkeiten wie jetzt beim Weltcup in Lenzerheide (Schweiz): In Leogang hat Paul Schehl vom Lexware Mountainbike Team die beiden Weltcuprennen der U23-Klasse gewonnen, Short Track (XCC) und Cross-Country (XCO), das Kunststück wiederholte der 22-Jährige an diesem Wochenende auf 1500 Metern Höhe im Kanton Graubünden erneut (Foto oben). Alle vier Rennen hat er von der Spitze aus gewonnen, überzeugender kann man Siege nicht herausfahren.  Durch die zahlreichen Siegerehrungen hat er es mittlerweile auch bei der anschließenden Sektspritzerei auf ein erstaunliches Niveau gebracht: Keiner produziert so schöne Sekt-Fontänen wie Paul. Nach den jüngsten Erfolgen führt er nun in der U23-Klasse die Weltcup-Gesamtwertung sowohl im Short Track als auch im Cross-Country an. “Er hat gerade einen Lauf”, sagt Lexware Teammanager Daniel Berhe, “er hatte eine gute Vorbereitung auf die Saison und er ist auch in seiner mentalen Mitte. Er gewinnt die Rennen physisch, aber auch vom Kopf her”. Nach dem Wettkampf ist das Lexware Team geschlossen nach Davos weitergefahren, wo die Mannschaft ein Trainingslager absolviert. “Wir sind mehrfach im Jahr zum Trainieren in Davos, im Sommer wie auch im Winter. Wir bereiten uns dort auf die nächsten Weltcuprennen vor”, sagt Berhe. 
Short Track U23: Pauls Mountainbike-Hattrick“Drei in Folge – mega geil”, jubelt Paul Schehl, nachdem er in Lenzerheide den dritten Short-Track-Weltcup in Folge gewonnen hat. Erneut kontrollierte er das Renngeschehen in der Klasse U23, diktierte das Tempo und hatte in der Schlussphase den größten Punch. “Paul ist alles von vorne gefahren”, sagt Teammanager Berhe, erneut eine Demonstration der Stärke. “Der Wettkampf war sehr knackig”, erzählt Paul, “die Strecke war sehr trocken, die Geschwindigkeit extrem hoch”. Er positionierte sich wie eigentlich immer in dieser Saison sofort in der Spitzengruppe und hielt das Tempo dort hoch, um das Rennen schwierig und hart zu machen. “Bei ‘two laps to go’ habe ich das erste Mal attackiert und gedacht, dass ich vielleicht schon wegkomme”, erzählt Paul, “hat aber noch nicht funktioniert”. Also versuchte er es in der nächsten Runde am selben Anstieg noch einmal, “da hat es dann so einigermaßen geklappt”. Er hatte zwischen sich und die schärfsten Verfolger einen kleinen Puffer herausgefahren, den er bis ins Ziel erfolgreich verteidigte.   “Der zwölfte Platz gibt mir viel Selbstvertrauen”Der beste Short-Track-Weltcup seiner bisherigen Karriere gelang dem Schweizer Khalid Sidahmed, der seit dieser Saison für das Lexware Team startet. “Mit dem zwölften Platz bin ich sehr zufrieden, der gibt mir sehr viel Selbstvertrauen für das Cross-Country-Rennen am Sonntag”, sagt der 21-Jährige. Zuvor hatte er oft Schwierigkeiten mit der extremen Explosivität, die in den Short Races abgerufen wird, in Lenzerheide lief es dieses Mal von Anfang an anders. Start aus der zweiten Reihe, “bin solide weggekommen und konnte meine Position lange relativ gut halten”. Ein Top-acht-Ergebnis war in Reichweite, ein kleiner Zwischenfall brachte ihn jedoch um die Chance: “Ich wurde zu so einem Pfosten hin abgedrängt, da habe ich ein paar Positionen verloren.” Rang zwölf bedeutet zweite Startreihe im XCO-Rennen und eine gute Ausgangsposition in der langen Cross-Country-Variante, in der er zuletzt im Weltcup mit zwei elften Plätzen überzeugt hatte. 

Cross-Country U23: “Die Geschwindigkeit war brutal”
Auch im Cross-Country-Rennen fackelte Paul Schehl nicht lange. Nach der  Startloop und ersten Runde setzte er sich zu Beginn des zweiten Durchgangs von seinen schärfsten Widersachern ab und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. “Ich habe die Pace hochgehalten und von den Leuten an der Strecke habe ich ständig gehört, wie groß mein Vorsprung ist.” Mal waren es 23 Sekunden, mal 34 und auch mal 39, dann wieder etwas weniger. Seinen Vorsprung verteidigte er hartnäckig, während hinter ihm die Verfolger wechselten. “Ich bin mein Ding gefahren, mein eigenes Rennen”, sagt Paul, “mit dem Ergebnis bin ich mega zufrieden”. Er freue sich nun auf Davos, “auf das Training mit den Jungs und das freie Wochenende”. 
“Das Rennen war von Anfang an extrem hart”, sagt Khalid Sidahmed, “die Geschwindigkeit am ersten Anstieg war brutal”. Er habe sich in den technischen Passagen, auf den vielen Wurzeln extrem gut gefühlt, erzählt der Schweizer, “dort konnte ich mich immer wieder gut erholen”. Mühe hatte er jedoch stets am langen Anstieg, die Aussicht auf einen Top-Ten-Platz war dennoch bis kurz vor dem Ziel intakt: “Ich bin allerdings mit zwei sehr sprintstarken Fahrern am Ende zusammen gewesen und konnte mich nicht behaupten”. Er sei zufrieden mit seiner Leistung, “das war das Maximum, was drin war”. Ihn nerve allerdings ein wenig, dass er zum dritten Mal hintereinander Elfter im XCO-Weltcup geworden sei und die Top Ten knapp verpasst habe. “Sonst war es cool, ich habe keine Fehler gemacht”, sagt Khalid.  
 
“Die nächste Chance ist nicht weit”
Weil sich Nicholas Konecny nicht für den Short Track qualifiziert hatte, stand er im großen Starterfeld weit hinten auf Position 49. Zudem spürte er die Rückenprobleme, die ihn in Leogang geplagt hatten, immer noch leicht. “Es ist aber schon sehr viel besser geworden”, sagt der 20-jährige US-Boy aus Colorado. Er habe sich gut und stark gefühlt im Cross-Country-Rennen, seine Aufholjagd bis auf Platz 20 unterstreicht das: “I am happy with the race.”
Noch etwas weiter hinten im Starterfeld musste sich Noel Toth einsortieren: Position 74. Für den  jungen Schweizer, der gerade am Sportgymnasium seine Abschlussprüfungen schreibt, ist es in seinem zweiten U23-Jahr zur Regel geworden, dass er sich erst einmal von hinten nach vorne kämpfen muss. Was ihm jedoch mit einer guten Portion Kampfgeist immer wieder gelingt. “Ich hatte einen ziemlich guten Start und dachte, dass ich das Tempo beibehalten und so weit nach vorne kommen kann”, erzählt der 19-Jährige, dann schnauft er schwer: “Von der vierten Runde an ging nicht mehr viel. Ich hatte zu kämpfen”. Auf Rang 41 kam er ins Ziel, Ende der Woche sind die Prüfungen vorbei, Noel hat dann wieder mehr Zeit fürs Training. “Und die nächste Chance ist nicht weit, ich bin zuversichtlich”, sagt er. 
 
“Das hat voll Spaß gemacht” 
Antonia Weeger gelang in Lenzerheide mit Rang 27 im U23-Rennen der Frauen ihr bestes Weltcup-Ergebnis in dieser Saison. “Damit bin ich mehr als zufrieden”, kommentierte sie ihr Abschneiden. Angefangen hatte der Wettkampf nicht gut, “die Startloop war richtig schlecht. Ich bin nicht richtig reingekommen, habe mich schwer getan”. Irgendwann ging es aber doch und sie begann, Fahrerinnen einzusammeln. “Das hat voll Spaß gemacht. Ich hatte guten Druck”, sagt sie, “ich bin happy”. 

“Ich bin happy und gut in Form”
Liam Bessal vom Lexware Mountainbike Team war bei einem Wettkampf der “Trophée International des Jeunes Vététistes” (TIJV) in Fumay (Frankreich) nahe der belgischen Grenze am Start, einem dreiteiligen Mountainbike-Wettkampf für Jugendliche in den Disziplinen Downhill/Enduro, Trial und Cross-Country. Bei heißen Temperaturen wurde zunächst der Trial ausgetragen. “Ich war eigentlich ganz gut, es fehlt mir allerdings noch ein bisschen an Geschwindigkeit. Durch das zu lange Zögern habe ich Zeit verloren und bin am letzten Tor einer Zone gestürzt”, erzählt Liam, der in Waltenheim im Elsass wohnt und in der Klasse U15 startet. Trotz des kleinen Malheurs wurde Liam Dritter, “damit bin ich ganz zufrieden”. Am Nachmittag war Downhill dran. “Ich habe mich auf der Strecke wohl gefühlt”, sagt der 14-Jährige, nach dem ersten Lauf war er Zweiter. Im zweiten Durchgang war er schneller unterwegs und festigte  seinen zweiten Rang, die Tageswertung schloss er als Dritter ab. Im Cross-Country-Rennen einen Tag später erwischte er “einen guten Start”. Er lag nur wenig hinten den beiden Führenden zurück. “In der zweiten Runde hat mir am Anstieg die Hitze zugesetzt und ich habe ein paar Sekunden verloren”, erzählt Liam, der den dritten Platz bis ins Ziel halten konnte. “Es war sehr heiß und das Feld war stark. Ich bin happy und gut im Form”, sagt Liam, der in der U15-Gesamtwertung in Fumay den zweiten Platz belegte.