Vizeweltmeister – und doch ein bisschen traurigPaul Schehl war angetreten, um den Short Track der Klasse U23 bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft in Val di Sole (Italien) zu gewinnen, doch es kam anders
Es ist eine Kunst im Spitzensport, ein bisschen Glück ist auch vonnöten: Beim Saisonhöhepunkt auf den Moment alles so zusammenzuführen, dass das Optimale herausspringt, das Maximale möglich ist. Es muss nicht immer der Sieg sein. Nicholas Konecny ist ein Beispiel dafür, weil er mit Rang fünf im U23-Short-Track bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft in Val di Sole (Italien) viele einschließlich sich selbst überraschte und “super happy” war. Was dem Amerikaner half, der abseits internationaler Titelkämpfe für das Lexware Team startet, noch in der letzten und elften Runde in der großen Spitzengruppe mitzuradeln, war für Favorit Paul Schehl eher ein Nachteil: Die Short-Track-Runde im Trentino war nicht allzu selektiv. Das U23-Rennen der Männer wurde nicht auf der Strecke, sondern erst auf der Zielgeraden entschieden und da fuhr ein Schweizer aus dem Windschatten von Paul heraus und überholte ihn. “Er wollte das Rennen gewinnen, deshalb ist er über Platz zwei sehr enttäuscht”, sagt Lexware-Teammanager Daniel Berhe. Die ebenfalls mit Medaillenchancen gestartete Schweizerin Elina Benoit, sonst auch für das Lexware Team unterwegs, kam im WM-Short-Track der U23-Frauen auf den zehnten Platz.
Short Track U23: “Paul war der Stärkste, das war deutlich” Kurz vor der Ziellinie senkte sich der Kopf von Paul Schehl nach unten. Er realisierte, dass er das Short-Track-Rennen (XCC) der U23-Männer bei der WM in Italien nicht gewinnen wird. Von sieben XCC-Rennen in dieser Weltcupsaison hat der 22-Jährige fünf gewonnen, meist dominant von der Spitze aus. Seine Ambitionen waren glasklar: Er wollte Weltmeister werden. So ging er die Sache auch an: War in dem 20-Minuten-Rennen immer gut positioniert und führte die große Spitzengruppe meist an (Foto oben/links). “Paul war der Stärkste, das war deutlich”, sagt Teammanager Berhe. Als sich jedoch in der Schlussphase immer noch zehn Fahrer ganz vorne tummelten, wurde klar, dass nicht allein nur der Motor und die Beine entscheiden würden, sondern ebenso Kalkül, Taktik und auch ein bisschen Lotterie mitentscheidend sein werden: Wo tut sich wann die entscheidende Lücke auf? Die Eliterennen bei Männern und Frauen wurden erst auf der Zielgeraden entschieden, das der U23-Mountainbiker ebenso: Nicolas Halter hatte sich an das Hinterrad von Paul Schehl geklemmt und aus dem Windschatten heraus beschleunigte der Schweizer auf der Zielgeraden und überholte den Deutschen. Der zweite Platz fühlte sich für Paul wie eine Niederlage an, er war angetreten, um zu gewinnen. Anschließend stand ihm der Sinn nicht nach Reden.
Sein amerikanischer Teamkollege Nicholas Konecny (Foto unten) war hingegen redselig. “Ich bin happy und stolz, wie ich gefahren bin”, sagt der 20-Jährige aus Beckenridge (Colorado), “ich habe mich stark gefühlt und habe mich taktisch klug verhalten”. In der “crazy final lap” hatte der US-Boy sogar kurzzeitig die Führung inne und träumte vom Weltmeister-Titel: “Kurz dachte ich, wie schön es wäre zu gewinnen”, sagt Nicholas und schiebt schmunzelnd nach: “Die anderen waren schon sehr stark”. Er freut sich über Rang fünf bei der WM, aber noch mehr elektrisiert ihn: “Es war traumhaft, bei einer Weltmeisterschaft in Führung zu liegen.”
Dritter aus der Lexware-Familie im WM-Short-Track der U23-Männer war der Schweizer Khalid Sidahmed. “Der Start war komisch, weil die Lichter nicht von Grün auf Rot umgesprungen sind, ich habe gezögert”, sagt der 21-Jährige. Anschließend sei ihm aufgefallen, dass er am kurzen, steilen Wiesenanstieg immer ein paar Postionen verloren habe, deshalb ergriff er eine ungewöhnliche Maßnahme: “Ich bin dann auf der Start-Ziel-Geraden an allen vorbeigefahren und habe die Spitze übernommen.” Er habe ziemlich schnell dafür büßen müssen, erzählt Klalid, der von einem Top-Ten-Platz in den ersten Runde im Klassement bis auf 24 zurückfiel. “Ich denke, die Beine sind offen für das Cross-Country-Rennen am Sonntag.”
“Im Short Track bin ich immer noch am Lernen”Elina Benoit profitiert im Mountainbikesport von ihrer physischen Stärke, sie hat eine Vorliebe für knackige, lange Anstiege. Sie habe sich eigentlich gut gefühlt im WM-Short-Track der U23-Frauen, Mitte des Neun-Runden-Wettkampfs hatte sie sich an die Spitze gesetzt. Ziel der Attacke war, die aufgeblähte Spitzengruppe zu verkleinern. Die offensive Herangehensweise machte sich nicht bezahlt. Die Abgehängten schafften wieder den Anschluss und der 22-Jährigen fehlte im Finale der Punch, “um ganz vorne mitzuhalten”. Das Ziel erreichte sie als Zehnte. Sie sei im Short Track immer noch am Lernen, wie man sich am besten verhalte, sagt Elina, “ich glaube, das Rennen am Sonntag wird ganz gut”.
| Cross-Country U19: “Ich habe gemerkt, dass die Beine nicht da sind”Mit Michael Hetteger hatte sich Elias Hückmann vom Lexware Mountainbike Team schon einige spannende Duelle in dieser Saison geliefert. Beide waren auf hohem Niveau unterwegs, mal war der eine vorne, mal der andere. Bei der Europameisterschaft konnte der Österreicher den 18-jährigen Deutschen kurz vor Schluss noch von Rang zwei verdrängen, Hückmann gewann die Bronzemedaille. Jetzt bei der Weltmeisterschaft wurde Hetteger Junioren-Vizeweltmeister. Und Elias? Rang 19, 3,46 Minuten hinter dem souveränen Weltmeister aus Australien und 2,30 Minuten hinter seinem Dauerkonkurrenten Hetteger. “Ja, das war hart”, sagt Elias. Woran lag es? Am Formaufbau? Der Gesundheit? Stimmte was mit dem Bike nicht? “Schwer zu sagen”, rätselt Elias. Dass es am Formaufbau lag, glaube er nicht. Auch die Form sei zuletzt noch “richtig gut” gewesen. “Das hat alles gepasst, würde ich mal behaupten.” Auch die Gesundheit war intakt. “Aber es war halt überhaupt nicht mein Tag”, sagt er, er habe das schon beim Warmup gemerkt, “dass die Beine nicht da sind”. Ebenso in der Startloop, “von da an war es nur noch ein Kampf”. Nicht mehr um eine Medaille, sondern um Positionen und Punkte, da er die Zähler von der WM nächste Saison mit in die U23-Klasse nimmt. Ein bisschen Trost und Zuversicht könnte spenden, dass er oft in dieser Saison auf einem ähnlichen Level unterwegs war wie Hetteger und der wurde schließlich Vizeweltmeister. “Ich bin sehr glücklich über die Chance, gleich in meinem ersten U19-Jahr bei der Weltmeisterschaft dabei sein und mein Land vertreten zu können”, sagt Maxi Strittmatter. Und das Rennen? Start aus der letzten Reihe und weil die Startloop schmal war, war auch das Vorankommen schwierig. Sie habe sich gut gefühlt, sagt Maxi. Irgendwann begann sie, Fahrerinnen vor sich einzusammeln, “hinten raus wurde es dann hart”. Rang 34 im Feld der 70 Juniorinnen. “Ich bin zufrieden mit meiner ersten Weltmeisterschaft”, sagt Maxi, “am Schluss bin ich noch ein Sprintfinish gefahren und habe es gewonnen”. |
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