July 15, 2026 9:50 am
Was für eine Dominanz und Konstanz
Paul Schehl sichert sich in Andorra die Weltcupsiege Nummer acht und neun in dieser Saison und Teamkollegin Elina Benoit überzeugt mit Rang vier im Cross-Country-Rennen

Bei all den Siegen ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Paul Schehl (Foto oben) hat ihn noch. “Acht in Folge, mega geil, bin mega glücklich”, jubelt der U23-Mountainbiker vom Lexware Team nach seinem Erfolg im Cross-Country-Weltcuprennen von Andorra. Zuvor hatte er in Pal Arinsal auf 2000 Metern Höhe auch schon den Short Track (XCC) der Klasse U23 gewonnen. Sechs Short-Track-Weltcups wurden in dieser Saison bisher ausgetragen, fünfmal hintereinander triumphierte Paul Schehl. Im Cross-Country (XCO) lautet seine Erfolgsquote “vier von sechs”. In beiden Disziplinen führt er mit deutlichem Vorsprung die Weltcupwertung an. Mit Top-Ten-Platzierungen überzeugten in Andorra auch die Schweizerin Elina Benoit, die sich im XCO-Rennen der U23-Frauen den vierten Platz erkämpfte, sowie ihr Landsmann Khalid Sidahmed mit Rang acht ebenfalls im Cross-Country. 
Die Erfolge verlangen den Lexware-Teammitgliedern allerdings auch abseits der Wettkämpfe einiges ab. “Einige waren seit dem Weltcup in Nove Mesto am 24. Mai nicht mehr zu Hause, also seit vielen Wochen”, sagt Teammanager Daniel Berhe, “und die, die kurz zu Hause waren, waren nur dort, um Wäsche zu waschen und neu zu packen. Das ist schon ein krasser Wettkampfkalender.” 
Short Track U23-Männer: “Ich bin die Attacken jedes Mal mitgegangen und habe am Schluss drüber gezogen”Die Entscheidung im Short Race der Klasse U23 lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Same Procedure as Every Race! Denn der Sieger hieß wieder Paul Schehl. Die ersten Runden schaute er das Geschehen an der Spitze an und was er sah, gefiel ihm nicht: “Die Pace war nicht so hoch, vorne war viel Trubel, viel vor und zurück, was ich nicht so mag.” Also zog er nach drei Runden das Tempo hoch und das Feld auseinander. “Hat sich für mich gut angefühlt”, sagt er. Als die letzten drei der zehn Runden angezeigt wurden, begannen die taktischen Spielchen um den Sieg. Erst habe er “ein bisschen was gestartet”, eine Runde später belebte der Schweizer Nicolas Halter das Renngeschehen an der Spitze und in der letzten Runde versuchte Pauls Dauerrivale Thibaut Francois Baudry (Spanien) das Rennen auf seine Seite zu ziehen. “Ich bin die Attacken jedes Mal mitgegangen und habe am Schluss nochmal drüber gezogen”, erzählt Paul, “Thibaut war stark bis zum Schluss, ich habe aber knapp gewonnen”. Zwei Sekunden lagen zwischen den beiden. Pauls Sieger-Statement: “Ich bin mega glücklich und zufrieden mit der Form.”
  “War schon eine coole Erfahrung”“Ich stand das erste Mal in der ersten Startreihe beim Weltcup, das war schon eine coole Erfahrung”, erzählt Khalid Sidahmed, der Schweizer im Lexware-Trikot. Davon inspiriert legte er einen “mega guten Start” hin – “ich war direkt Dritter”. Beim ersten Einstieg in den Trail passierte es: Khalid wurde “ziemlich hart abgedrängt” und fiel auf Rang neun zurück. Er investierte viel, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen und sich wieder zu verbessern”: Dafür habe er dann “ab Mitte des Rennens gebüßt”. Er verlor einige Positionen und erreichte als 15. das Ziel im kurzen Wettkampf der besten U23-Mountainbiker. “Platz 15 ist okay”, sagt er. Ein normaler Renntag  eben, an dem nicht alles glatt läuft? Mitnichten: Durch den Start aus der ersten Reihe war es für Khalid ein ganz besonderer Tag.  “Körper und Beine haben sich großartig angefühlt”Von Position 36 gestartet, war es für Nicholas Konecny schwierig, Plätze in der hektischen Anfangsphase gutzumachen: “It was hard to make passes and moves through the field.” Der 20-jährige Amerikaner verfügt jedoch über eine unerschütterliche Moral und eine gesunde Portion Kampfgeist. Drei Runden vor Schluss schob er sich unter die besten 20. War mal 19., dann 16. und am Ende kam ein “strong 17th place” heraus. “Mein Fokus lag darauf, ein konstantes Rennen abzuliefern. Das ist mir gelungen. Körper und Beine haben sich großartig angefühlt”, sagt Nicholas, “I am happy with the race”. 
Short Track U23-Frauen: “Das Gefühl im Rennen war gut”“Ich hatte kein Glück am Start, bin zweimal blockiert gewesen”, erzählt Elina Benoit, “sowas kann im XCC passieren”. Bei der ersten Zeitnahme war sie 26., anschließend kämpfte auch sie mit der Schwierigkeit, sich durch das dichte Hochgeschwindigkeitsfeld im Short Race zu wühlen. Nach drei von acht Runden tauchte sie als 18. im Klassement auf und verbesserte sich weiter bis auf Rang 13. “Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, weil ich weiß, dass aufgrund meiner Form viel mehr drin gewesen wäre”, sagt die Schweizerin. Einerseits. Andererseits sei sie aber auch zufrieden, “weil das Gefühl im Rennen gut war, Beine und Atmung waren es auch”.

Cross-Country U23-Männer: “Ein Traum von Anfang bis Ende”
“Das Rennen lief von Anfang an ‘smooth’. Ich habe schnell meinen Flow gefunden und konnte mein eigenes Ding fahren”, erzählt Paul Schehl, der sich schon zu Beginn der zweiten von sieben Runden von seinen Konkurrenten abgesetzt hatte – und ja, einmal enteilt, ließ er sich nicht mehr einfangen. “Das Rad hat super funktioniert auf der ganzen Strecke. Das Rennen war einfach ein Traum von Anfang bis Ende.” Er sei froh, dass er diesen Weltcup-Block erfolgreich abgeschlossen habe, sagt der 22-Jährige, in der am Wochenende folgenden deutschen Meisterschaft wird Paul den mit Spannung erwarteten Vergleich mit den besten deutschen Elitefahrern suchen. “Shape ist geil, ein bisschen erholen, dann wird es nochmal cool am nächsten Wochenende.”
Khalid Sidahmed lässt sich in den Wettkämpfen ungern von anderen Dingen beeinflussen, sondern macht gern sein “Ding”. “Ich bin am Start gut weggekommen und dann mein Tempo gefahren”, sagt er. Von Runde zwei an tauchte er in den Top Ten auf, die Beine waren gut und er sei auch mehr oder weniger fehlerfrei durchgekommen. Doch der Schweizer schränkt ein: “Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich hundertprozentig auf das Rennen konzentrieren konnte.” Mit dem achten Platz sei er zufrieden, “aber ich spüre, dass ich jetzt schon viele Wochen von zu Hause weg bin”. Vor der Schweizer Meisterschaft am kommenden Wochenende kann er zumindest ein paar Tage zu Hause verbringen, “darauf freue ich mich”, sagt der 21-Jährige. 
 
“Zufrieden stimmt mich, wie tief ich in meinem Innersten graben konnte”
Auch Nicholas Konecny hatte mental zu kämpfen und spricht sogar von einem “mental block”. Folge war ein Sturz in Runde eins, “weil ich mental nicht bei der Sache war”. Erst in den letzten beiden der sieben Runden brachte er alles so zusammen, wie er es eigentlich von sich erwartet und verbesserte sich dank einer guten Schlussrunde noch auf Rang 13. “Ich hatte einen harten Tag da draußen auf der Strecke, ich tat mich schwer auf dem Rad und fühlte mich bergab unwohl”, erzählt der Amerikaner. Zufrieden stimme ihn, “wie tief ich in meinem Innersten graben konnte”. In Anbetracht der vielen Schwierigkeiten, mit denen er kämpfte, sei der 13. Platz “wirklich gut”.
Lange hat er dafür gekämpft, jetzt hat es Noel Toth geschafft: sein erstes Topresultat im Weltcup. Vielleicht wäre er noch weiter vor als Rang 25 gekommen, aber von Runde zwei an hatte der junge Schweizer mit technischen Problemen zu kämpfen: “Vor allem in den Flächen und Übergängen hat mich das Problem viel Zeit gekostet und es hat mental auch ganz schön geballert.” Nein, zufrieden sei er nicht, “das wäre übertrieben”. Noel ergänzt: “Aber ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles gegeben.”

Cross-Country U23-Frauen: “Ich spüre, wie ich von Woche zu Woche stärker werde”
“Mein Rennen war super”, frohlockt Elina Benoit (Foto oben), “ich bin sehr, sehr zufrieden, auch wenn es nicht fürs Podium gereicht hat”. Vierte ist die Schweizerin in der Höhe von Pal Arinsal im XCO-Rennen der U23-Frauen geworden. Zu Beginn der zweiten Runde hatte sie sich auf dem zweiten Platz festgesetzt:  “Mein Tempo war gut und auf den Abfahrten war ich schnell”, sagt die 21-Jährige. Sie verteidigte ihre Position bis in die vorletzte der sechs Runden: “Gegen Ende bekam ich Probleme mit der Atmung, wahrscheinlich wegen der Höhe.” Zwei Konkurrentinnen schlossen zu ihr auf. “Als die beiden attackiert haben, konnte ich nicht mehr mitgehen, aber ich spüre, wie ich von Woche zu Woche stärker werde nach meinem Sturz und der Pause”, sagt Elina und fährt fort: “Meine Beine waren gut. Es war eine sehr gute Leistung und ein super Wochenende”.

Nachwuchstalent Finn Laichinger vom Lexware Mountainbike Team hat sich in Waibstadt den dritten baden-württembergischen Meistertitel in Folge gesichert. Nach zwei Meisterschaftssiegen in der Klasse U13 war der 13-Jährige nun auch in der U15 erfolgreich. “Die kurzen Anstiege habe es schwer gemacht, einen Vorsprung herauszufahren. Nach ein paar Runden ist es mir gelungen, die entscheidende Lücke zu reißen”, erzählt Finn, “danach konnte ich mein Rennen fahren und den Titel sicher ins Ziel bringen.”