Paul Schehl sichert sich den U23-Weltcupsieg in der Cross-Country-Gesamtwertung und im Short TrackDer 22-Jährige vom Lexware Team beißt sich trotz gesundheitlicher Probleme beim Weltcup in den USA durch / Teamkollege Nicholas Konecny überrascht mit Rang fünf im Cross-Country-Rennen 

September 23, 2026 7:47 am

Der US-Bundesstaat Utah hat Mountainbikerinnen und Mountainbikern einiges zu bieten: Tracks auf griffigem, rotem Sandstein und eine 53 Kilometer lange Abfahrt (Moab) sowie Singletrails durch dichte Espenwälder und über alpine Bergketten (Park City). In Soldier Hollow fanden anlässlich der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City die Biathlon- und Skilanglauf-Wettkämpfe statt und anschließend auch Biathlon-Weltcuprennen. Im Hochtal auf 1800 Metern wurde am Wochenende der vorletzte Mountainbike-Weltcup der Saison ausgetragen. Trotz gesundheitlicher Probleme konnte sich Paul Schehl (Foto oben) vom Lexware Mountainbike Team mit den Rängen fünf und sechs den U23-Weltcupsieg in der Cross-Country-Gesamtwertung und im Short Track (XCC) sichern. “Ich bin extrem glücklich. Die Rennen waren tough. Ich habe von Anfang an leiden müssen”, erzählt Paul, “ich bin jetzt aber mega happy, dass es gereicht hat, die Weltcupsiege im XCC und Overall sicher zu machen”. Nicholas Konecny, beim Heim-Weltcup in den USA besonders motiviert, erkämpfte sich im Cross-Country-Wettkampf (XCO) der U23-Klasse den fünften Platz: “Der Heim-Weltcup war ‘super special’ für mich. Ich hatte ein grandioses XCO-Rennen.” 

Paul Schehl: “Ich war nur bei 90 Prozent meiner Leistungsfähigkeit” Paul Schehl, der beste und konstanteste U23-Weltcup-Mountainbiker dieser Saison, kränkelte vor dem Short Track in Soldier Hollow: Die Nase war zu, er musste “ziemlich viel husten”, ob allergische Reaktion oder Erkältung war nicht ganz klar. Der 22-Jährige vom Lexware Team fand die Strecke für das Short Race “eigentlich ganz witzig, es wurde eine unfassbar hohe Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren”. Selektiv war sie allerdings nicht und deshalb nahm eine große Gruppe von Fahrern die finale Runde in Angriff. Alles und nichts schien möglich. Am Schluss waren dennoch die üblichen Verdächtigen vorne zu finden, Paul Schehl erreichte als Fünfter das Ziel. “Mir haben am Schluss einfach die Körner gefehlt, ich hatte kein gutes Gefühl auf dem Bike”, erzählt er, “ich war aufgrund der gesundheitlichen Probleme nur bei etwa 90 Prozent meiner Leistungsfähigkeit. Jetzt schauen wir mal, was im Cross-Country-Rennen passiert.” 
Dass auch das XCO-Rennen aufgrund der angeschlagenen Gesundheit für ihn zu einer zähen Angelegenheit wird, merkte er schon nach den ersten Pedalumdrehungen: “Ich habe mich von Anfang an ziemlich semi gefühlt, das war schon grenzwertig”, erzählt er, “ich habe mir gesagt: fahrn, fahrn, fahrn und so viele Punkte wie möglich holen”. Irgendwann kam er ins Rollen: “Ich habe Fahrt aufgenommen und versucht, mich gut zu positionieren und in Gruppen reinzuhängen.” Er biss sich in den Top Ten fest. Beruhigend: Seine schärfsten Widersacher in der Cross-Country-Weltcupwertung, der Spanier Thibaut Francois Baudry und der Schweizer Nicolas Halter, lagen hinter Paul. In der letzten Runde konnte er das Gas noch einmal etwas aufdrehen und sicherte sich Rang sechs. “Auch wenn das Wochenende hier in Soldier Hollwo nicht ganz geil war, die Saison war dennoch unfassbar.” Neun Weltcupsiege hat Paul Schehl in der Klasse U23 eingefahren, fünf im Short Track, vier im Cross-Country. Er wurde in der U23-Klasse Europameister und Vizeweltmeister im Short Track. “Ich kann jetzt zwei Wochen USA genießen und auf den geilen Trails hier trainieren. Und vielleicht kann ich beim letzten Weltcup in Lake Placid noch einmal einen raushauen.” 
Nicholas Konecny: “Die Fans sind fantastisch und die Umgebung ist beeindruckend.”   “I had a great race. Ich bin super happy mit dem 14. Platz”, sagt US-Boy Nicholas Konecny (Foto unten/XCO), der für Lexware startet, nach dem U23-Short-Track. Der 20-Jährige aus Colorado rollte ebenfalls in der großen Gruppe mit, die sich Richtung Ziel bewegte. “Alles war ganz eng und sehr taktisch, ich lag im Ziel nur fünf Sekunden hinter dem Sieger zurück.” Er habe sich großartig und stark gefühlt und sei bei den “Heim-Weltcuprennen” auf amerikanischen Boden – “natürlich” –  bis in die Haarspitzen motiviert. “Die Fans sind fantastisch und die Umgebung ist beeindruckend.”  
Vor dem Cross-Country-Wettkampf war Nicholas “super excited”. Die überwältigenden Gefühle, die er aus dem Short Track mitgenommen hatte, stimulierten ihn ungemein. Er hatte einen “okay start” und fand sich anfangs irgendwo “in den twenties” wieder. Er steigerte sich und schaffte den Anschluss an die Verfolgergruppe. “Ich konnte mich dort etwas erholen, aber irgendwann war mir das Tempo zu langsam”, erzählt er – und attackierte. Er war lange solo auf dem vierten Platz unterwegs, in der letzten Runde verdrängte ihn ein Kanadier noch auf Rang fünf. Dennoch: Nicholas’ bestes Weltcup-Ergebnis, entsprechend aufgekratzt war seine Stimmung nach dem Rennen: “Ich bin super happy. An amazing race.”
Mikkel Lose: “Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und dem Ergebnis”  Der Däne lieferte nach dem U23-Rennen ein schönes Bild für das Geschehen im Short Track: Er sprach vom “Waschmaschinen-Effekt”. Der hatte ihn in der vierten Runde an die Spitze des Feldes gespült. Eine Runde später war er 14. Die Trommel drehte sich munter weiter: In der sechsten Runde war er wieder Erster, 1200 Meter später lag er auf dem 18. Platz und im Ziel war er 25. “Die Führung zu übernehmen war wahrscheinlich nicht der smarteste ‘move’, hat aber Spaß gemacht”, sagt der 21-Jährige aus Holte in Dänemark und ergänzt: “In der letzten Runde war ich dann ein bisschen durch”. Wenn er in der Schlussphase keine Möglichkeit mehr sehe, mit vorne anzukommen, solle er Tempo rausnehmen, das war mit seinem Trainer so besprochen. “Wegen der Höhe, weil die Erholung dort länger dauert.” 
Der Start im Cross-Country-Rennen misslang dem Dänen, der für Lexware startet, er lag in der ersten Runde weit zurück. Seinen Plan beeinträchtigte das nicht sonderlich: Er wollte in dünner Höhenluft moderat beginnen und “keine dummen, energieintensiven Überholmanöver” machen. Er ließ sich Zeit für seinen Weg durch das Feld nach vorne, der auf Rang 37 begonnen hatte und ihn bis auf den 17. Platz führte. “Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und dem Ergebnis”, sagt Mikkel.